-20 Tage

und es war Sommer …

Heute gab es einen Anruf in meinem Vorzimmer – manche nennen es Tierheim. Zwei Menschen sind auf der Suche nach einer älteren Katze für die Wohnung. Ein Balkon ist da, mehrere Zimmer mit Platz, Geschlecht egal und selbst kleine Krankheiten schrecken sie nicht ab. Ich spitze die Ohren: Das klingt doch nach mir! Außerdem sind andere Interessenten gerade abgesprungen. Wenn das kein Zeichen ist …

Zu diesem Zeitpunkt sitze ich allerdings noch leicht ramponiert mit Schutzkragen in meiner Box. Hinter mir liegen eine Operation und die Kastration. Obendrein muss meine verletzte Hornhaut am Auge morgens und abends mit Tropfen versorgt werden. Nicht gerade mein glamourösester Auftritt.

Aber wer weiß – vielleicht suchen die beiden genau mich. Also warte ich ab.

-18 Tage

der erste Kontakt, meine Chance …

Heute kamen die beiden Menschen vorbei. Zuerst haben sie bei meinem Nachbarn Halt gemacht – ein Kater mit geschientem Bein. Dann war ich an der Reihe. Meine Tür ging auf, ein Finger wurde mir zur Begrüßung vor die Nase gehalten. Sehr nett, aber ich hatte Wichtigeres zu zeigen: nämlich meine Lieblingsstellen zum Kraulen. Mit dem Schutzkragen kam ich dort ja nicht ran – also habe ich ihnen direkt demonstriert, wo Handarbeit gefragt ist.

Zur besseren Präsentation habe ich mich gleich mal auf die Seite gelegt: „So, liebe Menschen, hier seht ihr, wie ich aussehe.“ Nach ein paar Minuten war die Vorführung beendet.

Die beiden haben sich dann noch mit der Pflegerin lange über die Krankheiten von uns beiden Katern unterhalten. Am Ende baten sie um ein paar Tage Bedenkzeit. Nun heißt es also: abwarten.

noch eine Woche

endlich raus aus dem Käfig

Heute gab es einen erneuten Anruf: Die beiden Menschen haben sich wieder gemeldet. Zwischenzeitlich hatten sie niemanden erreicht, aber jetzt war es so weit – sie haben sich entschieden! Sie möchten mich als ihren zukünftigen Chef einstellen.

Man muss ja wissen: Nicht die Menschen wählen Katzen aus, sondern wir Katzen suchen uns unser Personal aus. Die Menschen wissen das nur noch nicht. 😉 Zum Glück müssen meine zukünftigen Angestellten dafür nicht umziehen – sie stellen mir einfach ihre Wohnung zur Verfügung.

Sie wollten noch einmal persönlich „Guten Tag“ sagen und vereinbarten einen Termin für den nächsten Tag. Sehr passend, denn kurz zuvor durfte ich endlich meinen Schutzkragen ablegen und in eine WG mit einem Katzenkumpel umziehen. Endlich wieder Bewegungsfreiheit!

Sie sind da! Ich döse noch im Transportkorb, werfe ihnen einen kurzen Blick zu – und dann der Deal: „Klar, der kann bei uns einziehen.“ Perfekt!

Ich freue mich, gehe kurz was futtern und lege mich wieder auf die Seite. Eigentlich wäre das nicht mehr nötig, schließlich ist der Deal ja schon besiegelt, aber ich bin ja nett und lasse mich trotzdem kraulen.

Allerdings muss ich noch eine Woche warten. Dann ist Urlaubszeit, und mindestens einer meiner zukünftigen Angestellten kann sich in Ruhe um mich kümmern und mir mein neues Heim zeigen. Die Wohnung muss außerdem noch eingerichtet und das Zubehör besorgt werden. Mit dieser Aussicht kann ich die paar Tage hier ganz entspannt abwarten.

Es geht los!!

Endlich darf ich in mein neues Zuhause.

Wann kommen die beiden denn? Nicht, dass sie im letzten Moment abspringen! Laut Tierheim ist das schon anderen Interessenten passiert – vermutlich, weil ich ein bisschen kränkel.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit standen sie dann an der Tür. Ich döste gerade, wurde aber artig in die mitgebrachte Transportbox verfrachtet. Ok, das muss sein – die Gurte im Auto sind eben nicht katzengeeignet. Mutigerweise haben die beiden auf die Augentropfen im Tierheim verzichtet; das wollten sie abends selbst machen. Für den Transfer wurden nebenbei noch die Vertragsunterlagen unterschrieben – nicht nur Profisportler wechseln für Geld, auch ich hatte eine geheime Ablösesumme.

Auf dem Rücksitz hinter dem Chauffeur durfte ich reisen. Nicht der Platz des Chefs, aber bequem genug. Rechts neben mir saß mein persönlicher Bodyguard. Während der Fahrt musste ich einmal laut protestieren – prompt bekam ich meine zustehende Aufmerksamkeit. Nach einer halben Stunde waren wir dann am Ziel.

Der Korb wurde geöffnet, und die beiden Menschen ließen mich völlig in Ruhe. Ich konnte selbst entscheiden, wann ich herauskomme. Nach etwa 15 Minuten wechselte ich meinen Beobachtungsplatz ins Regal im Vorratsraum. Meine Angestellten suchten mich nach einer weiteren Stunde im Flur, Vorratsraum und der Küche – ha! Ich lag mittlerweile still hinter der Couch und habe sie belauscht, sie bemerkten mich nicht.

Nach einer weiteren Stunde hörte ich ein verlockendes Rascheln im Napf. Futter! Frisch gestärkt trottete ich mutig zu den Menschen. Die Hand streichelte vorsichtig meinen Kopf – sehr angenehm! Also habe ich mich hingelegt, denn es gibt noch viele andere Stellen, an denen ich gekrault werden möchte. Da mein Fell etwas fusselte, kam auch die Bürste zum Einsatz: einer streichelt, einer bürstet. Wow, da kam eine Menge Wolle zusammen. Das werden wir jetzt regelmäßig machen, und ich genieße es sehr.

Frisch gestärkt, gebürstet und gekrault konnte ich schließlich meine erste Nacht hier verbringen. Aber Moment – die Augentropfen! Brav stillgehalten, beide Augen versorgt … und jetzt: Licht aus, Schlafmodus aktiviert.

Belastungstest Nacht 1

das war aufregend

Die Nacht endete schneller, als meine neuen Menschen gedacht hatten – es folgte der erste Belastungstest mitten in der Nacht. Ein paar Mal gemaunzt, und schon waren beide wach. Funktioniert also!

Hatte ich Hunger? Nein.
Hatte ich Durst? Nein.
Wollte ich Aufmerksamkeit und gekrault werden? Absolut!

Also wurde ich gestreichelt und konnte meinen beiden Angestellten ausführlich berichten, wie meine Nacht bisher verlaufen war. Auf ihren Wunsch hin versuche ich mittlerweile, nicht mehr um 3:00 Uhr zu erzählen, sondern warte geduldig bis 6:00 oder 7:00 Uhr – schließlich soll alles seine Ordnung haben.