Tag 6
Der erste Ausflug
Bereits nach wenigen Tagen hieß es wieder: Rein in die Transportbox, Kasimir! Ein Termin bei der Augenärztin in der Tierklinik stand an. Dort wurden meine Augen gründlich unter die Lupe genommen – und mein Allgemeinzustand gleich mit.
Dabei wurde mein Hornhautsequester untersucht. Klingt kompliziert, ist aber schnell erklärt: Bei dieser Sache bildet sich auf der Hornhaut ein dunkler, abgestorbener Fleck, der dort nun wirklich nicht hingehört. Er kann tränende, gereizte oder schmerzende Augen verursachen – vor allem bei bestimmten Rassen, die etwas größere, rundere Augen haben. Tja, Schönheit hat eben manchmal ihren Preis.
Die Ärztin meinte, dass sich mein Sequester vielleicht von selbst verbessert, wenn ich in meinem neuen Zuhause zur Ruhe komme und weniger Stress habe. Und das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen! Also: Entspannung, Kuschelmodus, bitte kraulen – ich arbeite schließlich aktiv an meiner Genesung.
Mein Beutelöffner nickte fleißig dazu, als hätte er eine geheime Abmachung mit der Ärztin. Wir verstehen uns eben blendend! 😉
Der große Kuscheltest
Wie lange hält ein Mensch eigentlich durch?
Bereits nach etwas mehr als einer Woche wollte ich herausfinden, wie belastbar mein neuer Beutelöffner wirklich ist. Wir hatten sturmfreie Bude. Also startete ich den ultimativen Couch-Dauertest: Ich rollte mich an ihn, stellte meinen Schnurrmotor auf „hypnotisch“ und beanspruchte die Couch als unser gemeinsames Territorium – mindestens für einen halben Tag.
Die Filme liefen so vor sich hin, aber eigentlich war klar, wer hier die Hauptrolle spielte: ich. Mein Beutelöffner diente als perfekt beheiztes Kopfkissen und bewegte sich nur, wenn es wirklich nötig war – also für Toilettengänge. Und selbst dann kehrten wir beide sofort wieder an unsere exakten Plätze zurück, als ob die Couch ein magnetisches Feld hätte.
Ich glaube, ich wollte einfach testen, wie lange ein Mensch es mit so viel Kater auf einmal aushält.
Wie sich herausstellte: erstaunlich lange.
Und seit diesem Tag weiß ich ganz genau – dieser Mensch ist couch-kompatibel. Und absolut katergeeignet.
Sonnenanbeter
Warum ich drinnen glücklicher bin – und draußen viel zu freundlich wäre
Ich sage es, wie es ist: Wir Heiligen Birmas sind echte Sozialkatzen. Wir mögen Menschen. Alle Menschen. Unsere eigenen, fremde, große, kleine – völlig egal. Und genau deswegen gehören wir nicht in die große, freie Welt da draußen. Ich zum Beispiel würde draußen vermutlich jeden freundlich anschauen, hingehen, schnurren… und am Ende vielleicht mit jemandem mitlaufen, der gerade nett riecht oder ein paar Leckerchen dabeihat. Viel zu vertrauensselig, sagen die Züchter. Recht haben sie.
Hier drinnen fühle ich mich sicher. Und wenn Besuch kommt, bin ich sofort zur Stelle. Ich setze mich dazu, schaue neugierig, was passiert, und biete meine Ohren zum Streicheln an – man muss ja höflich bleiben. Später hat Icy das genauso gemacht. Sie ist auch so eine, die gern Hallo sagt und sofort weiß, wie man Herzen erobert.
Ich bin ein absoluter Sonnenanbeter. Wenn irgendwo ein Lichtstrahl den Boden trifft, dauert es keine zwei Minuten, bis ich mich genau hineinlege. Fensterbank, Balkon, Fußboden – Hauptsache warm. Dort liege ich dann wie eine plüschige Solarzelle, tanke Energie und schnarche manchmal ganz leise vor mich hin.
Und wer mich so im Sonnenstrahl liegen sieht, versteht sofort:
Ich brauche keinen Garten, keinen Freigang und keine Abenteuer draußen.
Meine Welt ist hier – warm, sicher und voller Licht.
Tag 42
Die Antwort auf die „endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“
An einem Freitagmorgen musste ich mich kurz nach dem Frühstück übergeben. Leider nicht das erste Mal, und so ging es wieder in die Tierklinik – natürlich in der Transportbox. Dort wurde ich wie immer freundlich von zwei netten Frauen empfangen und untersucht.
Vor der Blutabnahme wurde kurz überlegt, ob noch eine zusätzliche Person nötig sei, um mich festzuhalten. Hallo? Ich bin der Tiefenentspannte! Meine rechte Pfote wurde der Ärztin hingehalten, und die Nadel fand blitzschnell die Blutbahn. Während ich total entspannt blieb, schaute mein Fahrer überall hin – nur nicht auf die Blutabnahme. Später hat er mir dann tapfer den Druckverband abgenommen, in dem noch ein bisschen Blut zu sehen war.
Das Blut wurde untersucht, während wir alleine im Wartezimmer saßen. Die Werte sind grundsätzlich okay. Erstmal soll ich fettreduziertes Futter bekommen und ein Medikament. Die weitere Analyse dauerte länger, sodass die endgültige Diagnose erst nachmittags kam, als wir schon wieder zu Hause waren. Eine Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse wird noch empfohlen.
Partnervermittlung
Oder die Suche nach einer zweiten Fellnase …
Bereits nach wenigen Wochen spürte mein Beutelöffner, dass in unserem kleinen Zuhause etwas fehlte – ein leiser Ton, ein zweites Herz, ein Schnurren, das nicht von mir stammt. Wir genossen unsere gemeinsame Zeit sehr. Er kam oft extra in der Mittagspause nach Hause, nur um mich in den Arm zu nehmen, meinen Kopf zu streicheln und mir zu zeigen, dass ich angekommen bin. Und ich… ich habe jede Sekunde davon aufgesogen.
Doch zwischen all der Wärme lag ein stilles Wissen: Wir Heilige Birmas sind nicht dafür gemacht, allein zu sein. Unsere Seelen suchen Nähe, Austausch, jemanden, der unsere Sprache versteht, ohne dass man sie erklären muss. Ein Mensch kann viel geben – Liebe, Geborgenheit, Futter aus dem Beutel – aber er kann nicht das Schnurren ersetzen, das einem direkt ins Herz geht.
Also begann mein Beutelöffner zu suchen. Nicht hektisch, sondern mit dieser stillen Hoffnung, die man hat, wenn man weiß, dass irgendwo da draußen ein zweites kleines Leben wartet, das nur noch den richtigen Moment braucht, um zu uns zu finden.
Er schrieb eine Anzeige ins große, unübersichtliche Internet – ein kleines Signalfeuer im digitalen Nebel. Es kamen Antworten, manche freundlich, manche seltsam, doch keine ließ das Herz springen. Und bei so etwas sollte das Herz immer mitreden.
Also suchte er weiter. Tag für Tag öffnete er die Webseiten der Tierheime, so regelmäßig, als wären es die morgendlichen Nachrichten. Jedes Mal ein kleiner Funken Hoffnung, jedes Mal ein leises „Vielleicht heute…?“. Doch die richtige Seele war nie dabei.
Parallel suchte er auch nach Züchtern, die vielleicht einen Senior oder Kastraten abgeben wollten. Einige fand er, aber gefühlt die Hälfte der Webseiten schien seit der Steinzeit nicht mehr aktualisiert worden zu sein. Aber er blieb geduldig. Er blieb dran. Er gab nicht auf.
Währenddessen lag ich oft bei ihm und spürte: Er tut das nicht nur für mich… sondern auch für sich. Denn unser kleines Zuhause fühlte sich warm an – aber noch nicht vollständig.
Und wie wir später erfahren würden: Manche Begegnungen brauchen eben Zeit, weil sie besonders werden sollen. Manche Wege müssen sich erst zurechtrücken, damit sie sich im genau richtigen Moment kreuzen.
Und irgendwann… hat ein Herz das andere gefunden. Mehr dazu könnt ihr später lesen.
Tag 54 – Ein Kontrollblick in mein Inneres
Wenn der Bauch im Fernsehen auftaucht.
Ich glaube, es geht schon wieder los … die Transportbox wird vorbereitet. Termin um 14:00 beim Chefarzt persönlich – Bauchspeicheldrüse per Ultraschall. Mit dem Medikament geht es mir gut, ich fresse wie gewohnt, und das bleibt auch drin.
Im Behandlungszimmer musste mein Fahrer auf eine Seite des Tisches, der Arzt auf die andere. „Ist Kasimir denn friedlich?“ Auf jeden Fall. Ich bin an fremden Orten ein bisschen schüchtern, aber trotzdem neugierig. Die Transportbox geht auf, der Doc holt mich heraus, greift unter die Schulter, betrachtet meinen Bauch und gibt mich weiter: „Hier, halten Sie ihn mal.“
Da hänge ich wie ein nasser Sack vor dem Bauch meines Menschen, die Beine baumeln herunter. Ich schaue mich um – und dann dieses Geräusch: „Ssssssss“ – hey, was ist das? Ein Rasierer, der mein schönes Fell stutzt? Die Haare fallen zu Boden, mein Mensch versucht mich zu beruhigen und murmelt dann überrascht: „Der schnurrt ja…“ Ich denke, auch unter der Maske des Arztes muss ein Grinsen gewesen sein.
Ich wurde auf ein Kissen gelegt, auf dem Rücken, mein Mensch hielt vorsichtig meine Vorderpfoten, während der Arzt mit einem Apparat und Gleitgel über die rasierten Stellen glitt. Nach einigen Minuten hob ich den Kopf, schaute hinunter und dachte: „Braucht ihr noch lange?“
Alles in allem sieht mein Inneres gut aus – die Bauchspeicheldrüse macht keine Zicken. Der Arzt vermutet schlussendlich eine Infektion mit Giardien, und wir bekamen ein Probenröhrchen mit nach Hause.
Tag 56
Nach dem Wochenende kam das Ergebnis der Kotprobe: positiv auf Giardien. Na toll. Diese kleinen Plagegeister sind winzige Darmparasiten, die sich fühlen, als hätten sie das alleinige Wohnrecht in meinem Bauch gepachtet. Sie sorgen für Durchfall, Bauchgrummeln und schlechte Laune – also eindeutig ungebetene Gäste. Immerhin musste ich diesmal nicht mit in die Tierklinik: Der Dosenöffner durfte die Tabletten ganz alleine abholen. Endlich mal ein Termin ohne Transportbox!
Ab da begann hier eine richtige Putz-Orgie: Jeden Tag wurde die komplette Streu ausgetauscht, mein Klo mit Spezialreiniger bearbeitet und zusätzlich mit kochendem Wasser übergossen, damit auch der letzte Giardien-Untermieter auszieht. Meine Näpfe wurden täglich ausgekocht – quasi Wellnessprogramm für Geschirr.
Die Tabletten bekam ich anfangs noch in Leberwurst serviert – das hat gut funktioniert, bis ich irgendwann beschlossen habe, dass Leberwurst überbewertet ist. Würstchen? Nein danke. Andere Leckereien? Keine Chance. Aber Salami und Mortadella? Tja, da wurde ich schwach. Man hat ja seinen Ruf als Feinschmecker.
Nach zehn Tagen ging die nächste Kotprobe zur Tierklinik – diesmal negativ! Die Giardien hatten endlich die Koffer gepackt. Und tatsächlich: Ich fühle mich besser. Spielen macht wieder Spaß, und ich habe meinem Dosenöffner jede Menge zu erzählen.
Hallo Wien
Ich schalte mal das Licht aus.
Heute hat mein Magen beschlossen, ein kleines Exorzismus-Ritual aufzuführen. Mein Futter trat die Rückreise an – eine recht eindrucksvolle Fontäne, fast schon künstlerisch. Leider landete das ganze Spektakel auf einer Steckdosenleiste.
Ein fauchendes Knistern, ein plötzlicher Funkenregen – und zack! war die Wohnung im Dunkeln. Ich schwöre, für einen Moment sah ich Geisterlichter über dem Kabelsalat tanzen. Der Beutelöffner murmelte dunkle Flüche, doch immerhin hatte er endlich einen Grund, das staubige Spinnenreich hinter der Couch zu betreten. Ergebnis: eine neue Steckdosenleiste, ordentlich wie ein Grabstein an der Wand befestigt.
Aber damit war der Spuk noch nicht vorbei. Offenbar reicht ein kleiner Verdauungszauber nicht – nein, nun steht schon wieder ein mysteriöser Untersuchungstermin bevor. Ich ahne, dass dort Wesen in weißen Kitteln lauern, die mit Nadeln und kalten Händen hantieren … brrr.
Eines ist sicher: Halloween braucht keine Kürbisse, solange es mich gibt.
Der Geburtstag
Meiner? Nein! Ausgerechnet an SEINEM Geburtstag musste ich wieder in die Transportbox. Aber gut – jemand musste mich ja zur Tierklinik chauffieren, denn alleine finde ich den Weg nun wirklich nicht. Also los, mein Geburtstagsfahrer, ab ins Auto!
Kaum angekommen, wieder diese Standardfrage: „Ist er friedlich?“
Natürlich bin ich das – ich bin schließlich Kasimir! Also habe ich alles ruhig über mich ergehen lassen. Allgemeinzustand: soweit gut. Aber dann kam’s: die Zähne. Zahnstein! Und mein Zahnfleisch machte sich auch schon ein wenig bemerkbar – scheinbar wollte es sich bei mir durchsetzen.
Thermometer ins Hinterteil – Temperatur top. Ich glaube, inzwischen kann ich das schon fast im Schlaf. Kurz bevor ich wieder in meine Box durfte, gab’s noch eine Spritze mit Schmerzmittel – natürlich ins Hinterteil. Mein Hinterteil kennt mittlerweile jeden Mitarbeiter beim Vornamen.
Für zuhause gab’s dann ein kleines Verwöhnprogramm: fünf Tage Schmerzmittel und eine Woche lang ein entzündungshemmendes Pulver. Na gut, ein bisschen Medikamente schlucken kann ich noch ertragen – hauptsache danach wieder Kuschelzeit!
Und apropos: Danke, dass du an deinem Geburtstag alles stehen und liegen gelassen hast, um mit mir zum Doc zu fahren. Als Belohnung gab’s später unser klassisches Couch-Ritual – nebeneinander liegen, kraulen, schnurren. Viel besser als jede Medizin!
Wenn der Kater zum Zahnarzt muss…
Eine Geschichte von Schmerzen und Fürsorge
Keine 24 Stunden später ging es schon wieder los: Das Essen kam rückwärts heraus. Vermutlich mal wieder eine Unverträglichkeit des Schmerzmittels – mein Magen und solche Medikamente, wir werden einfach keine Freunde. Das Futter blieb keine fünf Minuten in mir, und nachdem ich alles erledigt hatte, habe ich mich unter einer Decke verkrochen. Ihr kennt das sicher: Wenn es einem mies geht, will man nur noch in eine dunkle Höhle und niemanden sehen.
Nur 48 Stunden nach dem letzten Besuch beim Doc standen wir also erneut in der Tierklinik. Diesmal wurde richtig aufgefahren: Ich durfte unter den Röntgenapparat, und Blut wurde – mal wieder – abgezapft. Fast wie bei Dracula, nur dass ich leider derjenige bin, der dabei weniger mystisch aussieht. Die Werte sollten nämlich für die bevorstehende Zahnsteinentfernung geprüft werden.
Das Ergebnis: Kalkablagerungen an der Wirbelsäule, eine etwas genervte Magenschleimhaut und Blutwerte, die nicht top, aber auch nicht dramatisch waren. Also gab es neue Medikamente und – viel wichtiger – die unerschütterliche Fürsorge meiner beiden Menschen, die nie die Geduld mit mir verlieren. Nach ein paar Tagen ging es mir tatsächlich wieder besser, sodass ich zum Termin der Zahnsteinentfernung wieder fit war.
Bei dem Eingriff wurden zwei Backenzähne und ein Schneidezahn entfernt. Und was sagt mein Beutelöffner zur Tierärztin? Dass ich ab jetzt „La Paloma“ durch die Zahnlücke pfeifen kann. Sehr witzig. Nebenbei wurde die Diagnose FORL gestellt – ein Thema, das mich zwei Jahre später noch einmal einholen wird.
Weil ich auch diesmal das Schmerzmittel nicht vertragen habe, bekam ich sogar eine Chefarztbehandlung. Vermutlich inklusive Chefarzt-Abrechnung – aber darüber schweigt der große Beutelöffner lieber, damit ich kein schlechtes Gewissen bekomme.
Ein weiterer Giardien-Test war negativ, immerhin ist der Darm also fein raus. Und mein Gewicht hält sich auch brav in der Waage.
FORL klingt erst mal wie der Name eines wilden Waldgeistes, ist aber leider weniger magisch. FORL bedeutet, dass meine eigenen Zellen anfangen, meine Zähne von innen heraus abzubauen. Einfach so, ohne mich vorher zu fragen. Außen sieht oft alles normal aus, aber unter dem Zahnfleisch kann es ganz schön wehtun.
Das Heimtückische daran ist, dass wir Katzen Schmerzen oft gut verstecken. Wir fressen weiter, tun so, als wäre alles in Ordnung – und leiden still vor uns hin. Vielleicht sind wir einfach zu stolz, vielleicht aber auch nur zu tapfer.
Mein FORL wurde zum Glück bei einer Zahnbehandlung entdeckt. Und auch wenn mir dabei ein paar Zähne gezogen wurden: Im Nachhinein ging es mir deutlich besser. Keine versteckten Schmerzen mehr, kein Ziehen, kein Unwohlsein. Und fressen? Das klappt auch mit Lücken ganz hervorragend. Mein Beutelöffner behauptet sogar, ich könne jetzt durch die Zahnlücke pfeifen – sehr witzig.
FORL ist also nichts Schönes, aber behandelbar. Und danach fühlt man sich, als hätte man endlich wieder Ruhe im Maul – was für ein Segen.
Zwischen Kuscheldecken und leisen Tagen
Mein erstes Weihnachten ohne Baum – und ein Silvester mit Höhle
Bevor ich von meinen stillen Winterwochen erzähle, muss ich noch etwas Wichtiges erwähnen: Mein Jahr begann nicht hier, sondern im Tierheim. Ich wurde irgendwo in der Wallapampa gefunden – niemand weiß genau, wo ich herkam oder wie lange ich draußen unterwegs war. Kein Chip, keine Hinweise, und das alles als eigentlich teure Rassekatze, deren Kitten für stolze Summen den Besitzer wechseln. So ein Fundkater wie ich ist da eher ungewöhnlich.
Im Tierheim habe ich erst einmal einiges über mich ergehen lassen müssen: einen Abszess an der Wange, der operiert wurde, dann die Kastration, und natürlich das Chippen. Auch mein Fell war damals weit entfernt von dem flauschigen Kragen, den Heilige Birmas normalerweise tragen. Strubbelig, stumpf und mitgenommen – so sah ich aus, als ich ankam. Erst mit viel Zeit, Ruhe und liebevoller Pflege hat sich mein Fell wieder erholt. Der typische „Birma-Kragen“ wurde erst Monate später sichtbar, als würde mein Körper langsam verstehen, dass er jetzt in Sicherheit ist.
Am 30. Juli bin ich dann zu meinen Menschen gezogen – ein Tag, der mein Leben verändert hat. Und nun zurück zu den Wochen bis zum Jahresende…
Die Wochen bis zum Jahresausklang verliefen ruhig, weich und voller kleiner Momente, die nur im neuen Zuhause entstehen können. Manche Tage war ich voller Schmusebedürfnis und habe mich an meine Menschen geschmiegt, als wären sie das wärmste Kissen der Welt. An anderen Tagen war ich einfach müde, erschöpft von all den Untersuchungen und Medikamenten der vergangenen Wochen, und wollte nur schlafen, atmen und zwischendurch ein paar Leckerchen knabbern.
Meine Menschen haben das sofort verstanden. Ohne Worte, nur mit Blicken, leisen Schritten und viel Gefühl. Sie wussten, wann ich Nähe brauchte – und wann ich einfach meine Ruhe unter einer Decke wollte.
Dann kam Weihnachten. Mein erstes Fest im neuen Leben. Einen Tannenbaum gab es nicht – „zu riskant für neugierige Pfoten“, sagten sie. Und sie haben recht: Ich hätte ihn garantiert geprüft, bepfotet und vermutlich umgestaltet. Stattdessen gab es ruhige Stunden, warmes Licht und viele Hände, die mich kraulten. Und ganz ehrlich: Das ist viel mehr Weihnachten, als ich je erwartet hätte.
Für Silvester haben sie etwas ganz Besonderes für mich gebaut: eine eigene Höhle. Sicher, weich und perfekt geeignet, um das laute Knallen draußen auszublenden. Ich habe mich darin eingerollt, während meine Menschen dicht bei mir blieben. Sie sprachen leise mit mir, streichelten meinen Rücken und sagten mir, dass alles gut ist. Und für mich war es das auch – weil sie da waren.
Und wenn ich auf meine ersten Monate zurückblicke, dann muss ich schmunzeln: Ein bisschen Fell habe ich verloren, ein paar Zähne auch. Die Giardien haben Stress gemacht, mein Magen hat sich beschwert, und manche Medikamente mochten mich weniger als ich sie. Klingt nach viel – aber eigentlich war es ein Jahr voller kleiner Siege.
Denn dafür habe ich etwas viel Wichtigeres gewonnen: Ein Zuhause, in dem jemand die Decke hebt, wenn ich mich darunter verkrieche. Menschen, die mich halten, wenn ich Angst habe, und die mich lassen, wenn ich meine Ruhe brauche. Ein Platz, an dem Schnurren verstanden wird und wo die Liebe nicht von der Leine, sondern aus dem Herzen kommt.
Wenn das die Bilanz meines ersten Jahres ist, dann kann ich nur sagen: Ich hätte es nicht besser treffen können.















