Ein schmerzhafter Jahresstart
…und wie mein Beutelöffner zum Helden meiner Hinterbacke wurde
Das neue Jahr war kaum gestartet, da beschloss mein Hinterteil, ein ganz eigenes Drama zu veranstalten. Zuerst merkte ich nur ein unangenehmes Ziehen, etwas, das ich einfach wegputzen wollte. Mein Beutelöffner sah jedoch sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Und als die beiden vom Sonntagskaffee zurückkamen und mich wie ein Irrer am Allerwertesten putzen sahen, war klar: Jetzt wird’s ernst.
Ein Blick von ihm. Ein tiefes „Oh nein!“ Und dann sein Handy, das er zückte, um ein Foto zu machen – während ich natürlich versuchte, mich wie ein geölter Aal zu bewegen. Ergebnis: ein Abszess am Allerwertesten. Jackpot. Ich sag’s mal so – schöner hätte man ins neue Jahr nicht starten können.
Die Notfallnummer wurde gesucht, gefunden und seitdem dauerhaft im Handy gespeichert. Die Tierärztin am anderen Ende war freundlich, aber weit weg – und die angeblich „rund um die Uhr“ geöffnete Tierklinik in der Nähe? Nun ja… der Anrufbeantworter hatte wohl frei. Mein Mensch ist also kurzerhand einfach hingefahren. Notfallklingel – ja. Personal – nein.
Also wieder nach Hause, nochmal Rücksprache, neuer Plan: Termin in 90 Minuten in einer Praxis mitten in der Großstadt. Ich wusste: Jetzt wird’s eine lange Nacht.
Ab in die Transportbox, auf den Beifahrersitz geschnallt – ich kenne das Ritual. Zum Glück war das Auto warm. Unter der Motorhaube wohnen 300 Pferde, sagt er. Ich habe keins wiehern hören, aber bei norddeutschem Schietwetter waren die wohl eher im Winterschlaf.
Die Scheibenwischer kreischten im Dauereinsatz, links und rechts schossen Wasserfontänen in die Höhe, und der Regen trommelte so laut auf das Dach, dass ich mich fragte, ob wir versehentlich in einem fahrenden Aquarium gelandet waren.
Wir schlichen mit Tempo 100 dahin. Draußen tobte ein Sturm, drinnen war es warm und sicher – mein kleiner fahrender Schutzraum. Trotz Schmerzen wusste ich: Der Mensch neben mir bringt mich ans Ziel. Egal wie, egal wann.
Die Straßen der Großstadt spiegelten das Licht der Laternen, alles wirkte nass und verschwommen. Mein Mensch parkte auf einem Parkplatz gegenüber der Praxis, stieg mit einer Taschenlampe aus und schaute sich nervös um. Dunkelheit. Leere. Keine Menschenseele. Ich glaube, in diesem Moment schlug sein Herz schneller als meins.
Dann, ein paar Minuten später: ein Auto, ein Lichtkegel, Schritte. Die Tierärztin. Und mit ihr ein großer Batzen Erleichterung. Er nahm meine Box, trug mich vorsichtig hinein, man hätte denken können, er trägt einen Schatz.
In der Praxis ging alles ganz schnell. Eine Spritze ins Hinterteil. Nackenkraulen. Leise Worte. Pfote halten. Ich tue so, als wäre all das nur für mich gewesen. Aber ich kenne meinen Beutelöffner – er hält meine Pfote auch, um seine eigenen Nerven zu beruhigen. Spritzen findet er nämlich noch schlimmer als ich. Gegen 21:30 wurde ich müde. Sehr müde. Der Schmerz wurde dumpf, die Geräusche weich.
Während ich wegsackte, öffnete die Tierärztin den Abszess und entfernte den Inhalt. Es dauerte nur wenige Minuten. Als ich wieder in meiner Box lag, war alles vorbei – und mein Mensch noch immer an meiner Seite.
Der Computer der Praxis fiel währenddessen in einen tiefen Schlaf, was die Rechnung verzögerte. Mir egal – ich war halb im Traumland. Die finale Summe hingegen war… sportlich. Sonntag + Notfall = Luxuslevel, das ich nicht bestellt hatte. Als Andenken gab’s eine Halskrause.
Gegen 22:30 waren wir endlich wieder zu Hause. Der Kragen wurde angelegt, Icy stand daneben und schenkte mir sorgenvoll ihre großen blauen Augen. Ein kleiner, leiser Trost.
Doch kurz bevor meine Menschen ins Bett wollten, geschah das Unvermeidliche: Ich musste mich übergeben. Noch benommen vom Eingriff lief der Mageninhalt im Kragen zurück Richtung Nase. Ein Erlebnis, das ich wirklich niemandem wünsche.
Mein Beutelöffner hat mich sofort sauber gemacht, den Kragen mit der Schere zurechtgeschnitten und mir ein gemütliches Nest aus Handtüchern und einer Decke gebaut – direkt neben seiner Koje. „Falls du mich brauchst, Kasimir“, sagte er.
In diesem Moment wurde mir wieder klar: Wir zwei haben schon einiges durchgestanden – ich bin nicht einfach nur ein Haustier. Ich gehöre dazu. Ich bin Familie.
Am nächsten Tag ging es wieder zu meiner Stammtierärztin. Sie hat sich die Wunde ganz genau angeschaut, alles noch einmal gründlich gespült und meinem Beutelöffner einen ordentlichen Schwung Medikamente mitgegeben. Leider vertrage ich solche Sachen ja nicht immer besonders gut… und diesmal war es richtig schlimm.
Von den Medikamenten bekam ich Durchfall – und zwar so heftig, dass mein ganzes Hinterteil eingesaut war. Ich war müde, benommen, erschöpft… und ehrlich gesagt auch ein bisschen beschämt. Doch mein Mensch hat keinen Moment gezögert: Er hat mich mit warmem Wasser und Waschlappen sauber gemacht, geduldig, ruhig und so behutsam wie bei einem kleinen Baby. Da wurde mir klar: Liebe zeigt sich eben genau in solchen Momenten.
In den Tagen danach wich er nicht von meiner Seite. Mehrmals täglich versorgte er meine Wunde mit Salbe, hielt still, sprach leise mit mir und gab mir das Gefühl, dass alles gut wird. Und ich ließ es zu – einfach, weil ich wusste, dass ich mich auf ihn verlassen kann.
Und manchmal, wenn ich jetzt neben ihm liege, denke ich daran zurück. Diese Nacht war schwer. Diese Tage waren schwer. Aber sie haben gezeigt, wie tief eine Freundschaft zwischen einem Kater und seinem Menschen wirklich gehen kann.
Vielen Dank für Nichts. Die Notfallklingel hinter verschlossener Tür.
Berufsordnung der Tierärztekammer Schleswig-Holstein: Die tierärztliche und pflegerische Versorgung der Klinik muss ganzjährig Tag und Nacht gewährleistet sein. Die Klinik muss für Notfälle ständig dienstbereit gehalten werden. Dienstbereitschaft liegt vor, wenn sich ein Tierarzt in der „Tierärztlichen Klinik“ zur sofortigen Versorgung des Patienten aufhält oder mindestens eine Rufbereitschaft besteht und der „diensthabende Tierarzt“ die Klinik in kürzest möglicher Zeit erreicht.
Operation: Sauce zuerst!
Ziegentrockenfutter zur Therapie, Sauce zur Lebensfreude.
Der Sommer 2023 brachte nicht nur Sonne, sondern auch eine neue Futterstrategie. Mein Magen war ja immer mal wieder ein Sensibelchen, also wurde das Menü umgestellt: Hochwertiges Trockenfutter mit Ziege. Ziege! Wann bekommt man als Kater schon mal Ziege serviert, ohne in ein Gebirge zu ziehen?
Dazu gab es weiterhin Nassfutter – aber nur unter einer festen Regel: Sauce. Viel Sauce. Noch mehr Sauce.
Icy und ich waren uns völlig einig: Die Brocken sind nebensächlich. Die Sauce ist die Hauptdarstellerin.
Wir schlürften also genüsslich alles Flüssige weg und ließen den Rest dekorativ liegen, als wären die Brocken nur Deko aus einem Katzen-Kochbuch. Der Beutelöffner stand irgendwann grübelnd daneben und fragte sich wohl, was an dieser Sauce so besonders sein soll. Und dann tat er etwas, das nur sehr neugierige oder sehr verzweifelte Menschen tun: Er tunkte den Finger hinein und probierte.
Sein Urteil? „Schmeckt wie eine richtig starke Brühe.“
Tja. Da wundert es keinen mehr, dass wir dafür alles stehen und liegen lassen. Brühe ist schließlich flüssiges Glück.
Ein guter Sommer also: Ziegentrockenfutter für den Magen – Sauce für die Seele. 🐾😼
Große Augen, kleines Problem – Das Birma-Tränchen-Phänomen
Kasimir: „Zack, fertig.“ – Icy: „Langsam, bitte, ich bin eine Lady.“
Also gut, ich erklär’s euch aus meiner Perspektive. Wir Heilige Birma Damen (und natürlich auch die Herren) gehören zu den typischen „Tränchen-Katzen“. Unsere hübschen, etwas kürzeren Näschen und die engen Tränenkanäle machen es der Tränenflüssigkeit schwer, dort abzufließen, wo sie eigentlich hin soll.
Statt brav den Umweg durch den Tränenkanal zu nehmen, bleibt sie einfach am Auge hängen und trocknet zu einem kleinen dunklen „Schmodder“ an. Nicht gerade ladylike — aber nun ja, Naturdesign hat seine Eigenheiten.
Ich gebe es zu: Kasimir ist beim Augenputzen wirklich beneidenswert entspannt. Er sitzt da, hält still und lässt den Menschen machen. Einmal wisch – zack, fertig. Kasimir – der Augenputz-Profi. Sein dunkles Fell ist da natürlich ein Vorteil. Da sieht man nicht sofort jeden Tropfen. Und er behauptet gern, das Ganze wäre „Wellness“. Männer.
Und dann ich – die helle Prinzessin. Bei mir ist die Sache ein wenig… auffälliger. Mein helles Fell verrät wirklich jeden kleinen Tropfen. Keine Chance, etwas zu verbergen. Aber: Ich habe gelernt, es zu akzeptieren. Mit warmem Wasser, Wattepad, der ruhigen Stimme der Frau und ein bisschen Geduld halte ich heute schon viel besser still. Es dauert bei mir einfach länger als bei Kasimir – aber ich bin schließlich auch eine Lady. Und wir haben unsere Rituale.
Woche für Woche klappt es besser. Und danach glänzen meine Augen wieder so, wie es sich für eine Birma-Prinzessin gehört.
Ein bisschen Schmodder ist kein Makel – sondern einfach mein natürlicher Glitzer.
Die Weihnachtsimpfungen 2023
Ein Jahresabschluss für Fellnasen und Frau Doktor
Der medizinische Endspurt vor Heiligabend
Kurz vor Weihnachten stand für beide Katzen der jährliche Gesundheitscheck an. Icy war nach einem ganzen Jahr wieder für ihre Impfung fällig. Zwei Tage vor Heiligabend – natürlich an einem Freitag – durfte dann auch Kasimir noch einmal zum Tierarzt.
Die Tierärztin sah sich bei ihm das Zahnfleisch an, verabreichte etwas Cortison und gleich noch die Jahresabschlussimpfung. Gewichtstechnisch hatte sich im Vergleich zum Vorjahr wenig getan: Kasimir blieb relativ stabil, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Icy hingegen hat sich einen kleinen Fortschritt erlaubt: rund 120 Gramm mehr innerhalb eines Jahres.
Alles in allem ein friedlicher Abschluss vor den Feiertagen – zumindest aus menschlicher Sicht.
Schon wieder Freitag. Und schon wieder ich
Zwei Tage vor Weihnachten – und wo bin ich? Genau: auf dem Weg zur Tierärztin. Dabei hatte ich etwas ganz anderes geplant, nämlich Schlafen, Dösen und vielleicht noch ein bisschen Dösen. Aber gut, wenn der Beutelöffner ruft, gehe ich eben in die Transportbox.
Frau Doktor hat sich mein Zahnfleisch angeschaut. Ja, das ist bei uns älteren Herren manchmal ein Thema. Cortison gab es auch gleich dazu, plus die Impfung für den Jahresabschluss. Danach war ich aber bereit für Weihnachten – und für ein paar extra Leckerlis.
Mein Gewicht ist laut Beutelöffner „relativ konstant“. Na bitte. Ich nenne das gepflegte Stabilität.
Mein jährlicher Termin – und ein kleines Plus
Kurz vor Weihnachten war wieder mein großer Moment: die Jahresimpfung. Ein ganzes Jahr war ich nicht beim Doc gewesen – lange genug, wenn man mich fragt.
Alles lief schnell, freundlich und ohne Drama. Die Menschen plauderten etwas über mein Gewicht: plus 120 Gramm im Vergleich zum letzten Jahr. Ich bin der Meinung, dass das sehr gut investiertes Körpergewicht ist. Ein bisschen Winterreserve schadet schließlich nicht.
Dann war ich auch schon wieder zu Hause – bereit für Weihnachten, Kuscheldecken und die Heizung auf Stufe Prinzessin.









