Das Jahr begann hier wie bei ganz normalen Katzenhaushalten: Mit Kuscheln, Fressen, Sonnenbaden – und einer Terminflut beim Tierarzt, die locker einen eigenen Wandkalender verdient hätte.
Kasimir machte den Anfang. Seine Zahnsanierung wurde zum Komplettprogramm: alle acht oberen Backenzähne raus – FORL eben.
Und als wäre das nicht genug, meldete sich auch noch sein linkes Auge. Ein Hornhautsequester, das trotz eines halben Dutzends Behandlungstermine nicht aufgeben wollte. Tropfen, Salben, Geduld – nichts half. Also blieb nur die OP. Das rechte Auge? Das trägt ein älteres, längst bekanntes Sequester, das weiter beobachtet wird, sich aber brav ruhig verhält.
Beim zusätzlichen Röntgen während der Zahnsanierung gab’s dann noch den ehrlichen O-Ton der Ärztin: „Am Bauch zu viel Fett, an den Schultern und an den Vorderpfoten zu wenig Muskeln.“ Kurz gesagt: Unser sanfter älterer Herr ist kein Athlet mehr, sondern ein gemütlicher Sofalöwe mit Bauchkomfortzone.
Icy dagegen glitt deutlich entspannter durchs Jahr. Erst im Dezember stand bei ihr überhaupt etwas an: eine ganz normale Impfung und – höflich formuliert – eine verstopfte Analdrüse, die fachmännisch geleert wurde. Dank ihrer Krankenversicherung blieb der finanzielle Blutdruck dabei angenehm stabil. Die Autofahrt? Ein Klacks. Die Behandlung? Ihrer Meinung nach völlig überflüssig. Und das Anfassen an der Backe? Ein Blick, der sagte: „Bitte nicht. Ich bin empfindlich. Und eine Lady.“.
Zwischen Tropfen, Tabletten, OP-Vorbereitungen und Rechnungen, die langsam ein eigenes Sparbuch verdienen könnten, gab es aber auch das, was wirklich zählt: Sommertage auf dem Balkon, gemeinsames Dösen, sanftes Schnurren auf der Couch und wachsende Nähe. Icy taut weiter auf – vorsichtig, stolz, aber beständig. Kasimir sucht wie immer die Nähe seiner Menschen, ruhig, warm und unendlich liebevoll.
Und wir? Wir haben gepflegt, getragen, getröstet, gelacht – und wieder gemerkt:
Diese beiden sind nicht einfach Haustiere. Sie sind Familie. Und für Familie macht man alles.
Kauleisten-Upgrade 2024
FORL räumt auf – und der Beutelöffner zahlt
Als mein GentleKater zur Zahnsanierung musste, war für mich sofort klar: Ich halte das Reich zusammen. Ich bin schließlich Icy Isabella von Latium – Prinzessin mit Haltung, Lady mit Überblick und stolze Mitbewohnerin eines Katers, der manchmal mehr Mut hat, als ihm selbst bewusst ist.
Während er beim Doc war und seine acht Backenzähne in den Ruhestand schickte, wartete ich zuhause – ruhig, elegant und mit gespitzten Ohren. Ich wusste: Er kommt zurück. Und ich bin da. Er verlor Zähne, aber nicht seinen Charme. Wenn mein Katerfreund Hilfe braucht, dann bin ich nicht nur Mitbewohnerin. Dann bin ich seine Lady.
Danke Icy! Der Tag begann… sagen wir mal: suboptimal.
Schon früh am Morgen standen Icy und ich gemeinsam vor unserem Fressplatz. Zwei perfekt ausgerichtete Blicke, zwei hungrige Mäuler, zwei leise „Miau?“-Fragen. Und was war da? Nichts. Gar nichts. Kein Krümel. Kein Duft. Keine Chance.
Ich hatte OP-Tag. Und OP-Tag heißt: Kein Frühstück. Eine Grausamkeit, die ich niemandem wünsche. Nachdem ich in die Transportbox verfrachtet wurde, bekam Icy ihr Frühstück (Verrat!).
Ich hatte keinen Bock, absolut keinen. Ich protestierte lautstark, wälzte mich, randalierte — und schaffte es sogar, mitsamt Box von der Couch zu purzeln. Sehr würdevoll. Danke, dass niemand ein Video machte.
Um 08:05 Uhr wurde ich beim Tierarzt abgegeben. Die Tierärztin hatte beim Vorgespräch die gewagte Idee, einfach alle Zähne zu ziehen. Mein Beutelöffner war strikt dagegen. „Nur die, die wirklich raus müssen!“ Und so wurde beschlossen: Erst röntgen, dann entscheiden.
Während der OP gab’s sogar ein zusätzliches Röntgenbild — reine Neugier, wie die Ärztin sagte. Das Ergebnis: „Am Bauch zu viel Fett, an den Schultern und an den Vorderpfoten zu wenig Muskeln.“. Ich nenne es: Gemütlichkeitsverteilung.
Gegen 12:30 Uhr kam der Anruf: Alles gut gelaufen. Kasimir schläft noch. Er braucht Zeit zum Aufwachen. Alle Backenzähne im Oberkiefer mussten raus. Da kann man jetzt vermutlich mehr als nur La Paloma pfeifen.
Ich bekam noch eine Spritze mit Schmerzmitteln. Für die kommenden Tage gab es ausschließlich Nassfutter — am besten breiig. „Wie im Altenheim“, sagte der Beutelöffner. Ich fand es lecker. Vor allem, weil ich sowieso nichts kauen konnte.
Zum Glück war die OP an einem Freitag. Das bedeutete:
- zwei Tage Rundum-Betüddelung
- zwei Tage Kuscheln
- zwei Tage „Mein armer kleiner Kater…“
- zwei Tage Wärme, Zuwendung und weiche Decken
Und ich genoss es. Jeden Moment.
Icy beobachtete mich die ersten Stunden auf Abstand — Prinzessinnen mögen keine groggy Kater — aber später legte sie sich in meine Nähe. Sie hat’s nie zugegeben, aber ich weiß: Sie hat aufgepasst.
Heute kann ich nur sagen: Es war hart. Es tat weh. Aber es wurde besser.
Und ich? Ich schnurre wieder. Ich fresse wieder. Ich lebe wieder ohne Schmerzen.
Auch mit insgesamt elf Zähnen weniger kann man mächtig gut geliebt werden.
Wohnzimmer im Wandel
Ein Catwalk, der sogar Menschen neidisch macht
Kurz vor meiner großen Zahnsanierung merkte ich, dass irgendwas im Wohnzimmer im Busch war. Pakete kamen. Große Pakete. Raschelnde Pakete. Kartonträume in XXL. Der Beutelöffner schleppte Teile rein, die aussahen, als hätte jemand Möbelhaus und einen Kletterpark gekreuzt: gebogene Wandliegen, Stufen, eine 160-Zentimeter-Kletterstange – ich dachte erst, das wäre ein Antennenmast für Katzenfernsehen.
Natürlich wurden die Teile erstmal nur probeweise an die Wand geschraubt. Ich saß unten, sah hoch und dachte: „Joa… da könnte ich gut thronen.“. Icy dagegen blickte skeptisch, als würde sie den TÜV abnehmen – streng, kritisch, mit leicht hochgezogener Augenbraue. Der Grund für das ganze Test-Geschraube? Der Maler stand wenige Tage später auf der Matte. Bis dahin musste klar sein, wo welche Liege, welche Stufe und die Kletterstange hinkommt. Denn eines war dem Beutelöffner heilig: Die Wand sollte nach der Renovierung nicht aussehen wie ein durchlöcherter Schweizer Käse. Also erst ausprobieren, anhalten, anschrauben, wieder abschrauben, neu ausrichten – bis alles perfekt passte.
Und wir? Wir saßen unten wie Bauleiter mit Fell und dachten: „Gut so. Das wird unser Palast.“
Dann wurde meine Zahnsanierung plötzlich um ein paar Tage vorgezogen. Der Beutelöffner meinte, ich solle mich lieber erholen, bevor hier eine Baustelle losgeht. Sehr aufmerksam. Und sehr weise. Mit frisch operiertem Kiefer zwischen Staub, Lärm und Leitern herumzuliegen – keine gute Idee.
Während ich also weich gefüttert, umsorgt und gepflegt wurde, rückte der Maler an. Ich hörte nur: Ratsch! Kratz! Bumm! Die alten Tapeten flogen von der Wand. Neue kamen dran. Frische Farbe, frischer Duft – wie ein Wellness-Tag fürs Wohnzimmer. Als die Wände fertig waren, wurden die Kletterelemente wieder montiert. Diesmal richtig. Fester. Höher. Würdiger für königliche Pfoten.
Und dann… passierte es. Icy, erzähl du doch mal weiter!
Kasimir probierte als Erster. Er trottete los, vorsichtig, noch ein bisschen zahnoperiert-wackelig. Und als er oben ankam, drehte er sich um, sah auf uns herab und schnurrte gefühlt so laut, dass die Wand mitvibriert haben muss. Ich tat natürlich so, als wäre das alles völlig unter meinem Niveau. Aber zwei Sekunden später lag auch ich oben auf einer Wandliege. Ganz elegant. Ganz Lady. Ganz zuhause.
Kaum waren die ersten Teile an der Wand, leuchteten dem Beutelöffner die Augen. Das war kein zufrieden-„So, fertig“-Blick. Das war der gefährliche Blick von jemandem, der denkt: „Da geht noch mehr!“. Plötzlich stand er mit einem Gliedermaßstab da, als wäre er Chefingenieur auf einer Raumstation. Er kroch durchs Wohnzimmer, maß Wandlängen, vermaß Höhen, klopfte Flächen ab und murmelte dabei Dinge wie: „Wenn ich hier 32 Zentimeter nehme… dann passt da eine Stufe hin…“. Dann setzte er sich an den Tisch, zeichnete Skizzen auf Papier, radierte, zeichnete neu, drehte das Blatt, seufzte – und wanderte anschließend an den Computer. Dort ging es weiter: digitale Pläne, Linien, Pfeile, Berechnungen. Ich schwöre, es sah aus, als würde er eine Brücke über den Grand Canyon entwerfen – nur eben waagerecht durchs Wohnzimmer. Der Mann war im Catwalk-Fieber.
Ich beobachtete das Ganze von meinem sicheren Platz auf der Fensterbank. Und langsam verwandelte sich unser Wohnzimmer in eine Kletterwelt, von der man selbst in Hochglanz-Katalogen nur träumt. Vom Kratzbaum…über das Sideboard…weiter zu den Wandliegen und Wandbetten…bis auf die andere Seite des Wohnzimmers auf die Couch – weitere drei Meter mehr Liegefläche, Sprungzone und Rennstrecke. Durchgehend. Fünfzehn Meter Premium-Kasimir-und-Icy-Autobahn. Ohne Stau, ohne Tempolimit, aber mit Aussichtsplätzen und gelegentlichen Vollbremsungen mitten auf dem Polster.
Und heute? Das Wohnzimmer ist kein Wohnzimmer mehr. Es ist ein Wunderland. Ein Spielplatz. Ein Hochweg-System. Ein Königreich. Eine Nachbarin stand mittendrin “Bei Ihnen möchte ich auch gerne Katze sein.”
Und wir? Wir sind die Herrscher darüber. Mit zwölf Metern Catwalk…
Ein Auge macht Theater – und wir spielen alle mit
Spaltlampen, Kontaktlinsen & ein sehr tapferer Kater
Ich fange mal so an: Mein rechtes Auge ist ja schon lange nicht mehr das Jüngste. Ein altes Hornhautsequester, das ich wohl aus meinem Vorleben mitgebracht habe. Das Ding ist wie ein alter Untermieter: nervig, aber harmlos, solange man ihn im Blick behält.
Mein linkes Auge dagegen wollte unbedingt die Hauptrolle spielen. Und zwar mitten in einer Phase, in der mein Beutelöffner kein Auto hatte. Das alte verkauft, das neue noch nicht übergeben – super Timing. Zum Glück gibt es im Haushalt einen Zweitwagen. Und als selbst der nicht reichte, durfte ich sogar Taxifahren. Sehr exklusiv.
Erst war da Schleim im Auge. Nicht ein bisschen – nee, richtig matschig. Die Ärztin in unserer Stammpraxis verordnete Euphrasia. Mein Auge fand: „Ich will mehr Drama!“
Zwei Tage später wechselte es munter zwischen Kruste, Schleier und Schleim. Es war wie ein Theaterstück mit täglich neuen Kostümen. Der Beutelöffner versuchte, telefonisch einen Termin zu bekommen – frühestens in neun Tagen. Wochenende + Feiertag = schlechte Kombi.
Dann ging es in die Tierklinik. Dort wurde ich mit Spaltlampe, Fluoreszein und Kamera untersucht. Diagnose: „Linke Hornhaut hat keinen Bock auf Heilung.“. Ich bekam Tropfen und Salbe.
Drei Tage später wieder Klinik, diesmal anderer Arzt. Wieder Spaltlampe, wieder Fluoreszein. Neue Salbe – jetzt einfach in beide Augen, vermutlich aus Gründen der Symmetrie.
Drei Tage später stand ich wieder dort. Der Arzt erklärte ganz locker, dass der Chefarzt „Augen-OPs bei Katzen eigentlich nicht mehr macht“. Mein linkes Auge dachte sich: „Challenge accepted.“
Fünf Tage später lernte ich einen weiteren Arzt kennen. Diesmal gab es ein Abrasio: Er hat mit einem Wattepad an meiner Hornhaut herumgerubbelt, Kontaktlinse drauf, neues Gel – ich war plötzlich modischer als jeder Influencer.
Und dann verließen mich meine Menschen für ein Wochenende. Der Beutelöffner musste in die Autostadt, um sein neues Auto abzuholen. Wie sollte ich überleben? Ganz einfach: Der tiermedizinische Helfer aus unserer Stammpraxis bekam die Haustürschlüssel und behandelte meine Augen perfekt weiter. Icy wurde natürlich gleich mit gereinigt – Prinzessinnen bekommen nun mal Extraservice. Fürs Futter und Kuscheln sorgte weiteres Personal. Diensteinteilung vom Feinsten. Es gab Virgan-Gel, und mein Beutelöffner tropfte weiter, sobald er zurück war. Ich hielt tapfer still. Er weniger.
Eine Woche später wieder Klinik. Spaltlampe, Fluoreszein, enttäuschender Befund. Mein Auge zeigte sich von seiner schlechtesten Seite. Und irgendwann hatte mein Beutelöffner einfach genug. Die Klinik kam nicht voran, es fühlte sich an, als würde man einfach nur Zeit und Geld verlieren, ohne irgendwas zu erreichen. Für mich sah alles genauso aus – nur unschärfer.
Also zurück in die Stammpraxis. Diagnose identisch: viel Schleim, wenig Heilung, schlechte Laune auf beiden Seiten. Dann kam endlich der entscheidende Moment. Unsere Stammpraxis empfahl uns einen Augenspezialisten – nur 18 km entfernt. Also hin.
Der Arzt dort brauchte genau einen Blick, atmete durch und sagte: „Das operieren wir. Und zwar so schnell wie möglich.“. Am nächsten Tag sei ein Platz frei. Mein linkes Auge war begeistert. Ich weniger.
Früh los, nüchtern (unverschämt), abgegeben. Der Beutelöffner fuhr…zum Bäcker. Holte Brötchen. Fuhr ins Büro. Trank Kaffee. Während ich operiert wurde.
Zwei Stunden später der Anruf: „Kasimir ist fertig. Wann möchten Sie ihn abholen?“ Um 12:30 Uhr stand er wieder in der Praxis. Ich: frisch operiert, Nickhaut hochgezogen, Faden quer über der Stirn, Pflaster drauf. Ich sah aus wie eine Kreuzung aus Pirat, Mönch und modischem Katzengott.
Eine Woche später wurde die Nickhaut kurz geöffnet, reingeschaut, wieder zugezogen. Noch eine Woche später: letzte Kontrolle und gleich Impfung oben drauf. Multitasking-Kater.
Heute sehe ich wieder. Keine Kruste, kein Schleier, kein Schleim. Das linke Auge ist auf dem Weg der Besserung. Das rechte bleibt der alte Veteran, der einfach dazugehört.
Ich habe Tropfen überlebt. OP überlebt. Kontaktlinse überlebt. Halskrausen überlebt.
Und ja — es gab viele Halskrausen: den klassischen Trichter, die Falt-Blume, den aufblasbaren Donut. Manche waren toll. Manche Katastrophen. Einer flog in die Ecke. Einer rutschte über meine Augen. Einer ließ mich aussehen wie eine beleidigte Zimmerpalme.
Der Beutelöffner fluchte. Ich auch (innerlich).
Aber jetzt? Sehe ich wieder.
Und ich weiß: Man braucht nicht zwei perfekte Augen, um gesehen zu werden. Man braucht die richtigen Menschen, die einen lieben.
Fluoreszein ist ein leuchtend gelber Farbstoff, mit dem Tierärzte prüfen, ob die Hornhaut verletzt ist. Ein Tropfen aufs Auge – und die Oberfläche färbt sich kurz ein. Unter blauem Licht leuchten dann alle Stellen, die nicht so aussehen sollten: Kratzer, Entzündungen, Sequester oder andere Schäden.
Warum das so praktisch ist: Es tut nicht weh, zeigt zuverlässig, ob die Hornhaut verletzt ist und hilft zu entscheiden, ob Tropfen, Salbe oder sogar eine OP nötig sind. Der Test dauert nur wenige Sekunden. Der Farbstoff kann kurz einen grünlichen Tränenschimmer hinterlassen – sieht dramatisch aus, ist aber völlig harmlos und geht schnell weg.
Kurz gesagt: Fluoreszein macht unsichtbare Probleme sichtbar.
Das Jahr der großen Baustellen
Zähne, Augen und viele Wege zum Doc
Das Kauleisten-Upgrade und die Augen-OP – ein Jahr voller Termine
2024 war für Kasimir ein anstrengendes Jahr. Für uns auch, aber für ihn eindeutig mehr.
Er bekam sein großes Kauleisten-Upgrade, also eine Zahnsanierung, gefolgt von einer Augen-OP. Dafür waren viele Tierarzttermine nötig – teilweise in sehr kurzen Abständen. Manchmal hatte ich das Gefühl, wir waren öfter in der Praxis als im eigenen Wohnzimmer.
Kasimir sah das irgendwann genauso. Sobald ich morgens meine Schuhe anzog, begann das Drama: Er verschwand unter dem Bett. Oder hinter der Couch. Oder an Orten, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren.
Das Problem: Ich wollte oft einfach nur ins Büro.
Er dachte aber jedes Mal: „Oh nein, nicht schon wieder der Doc!“
Wenn es tatsächlich zum Tierarzt ging, musste die Transportbox spätestens einen Tag vorher hingestellt werden – als stilles Signal, dass wir es ernst meinen. Selbst dann war Überredungskunst nötig.
Nach fast jedem Rückweg vom Doc das gleiche Bild: Kasimir verkroch sich wieder. Hinter der Couch, unterm Bett, in eine Decke eingerollt. Der arme kleine Kerl war einfach durch.
Es tat mir jedes Mal unendlich leid – so sehr, dass ich mich am liebsten selbst verkrochen hätte.
2024 war nicht mein Jahr
Es fing schon damit an, dass mein Beutelöffner ständig mit mir irgendwohin wollte. „Nur kurz zum Doc.“ „Wir machen das schnell.“ „Kasimir, ist nicht schlimm.“ Ja, ja. Und ich bin ein Dackel.
Erst diese Sache mit den Zähnen. Dann die Augen. Dann wieder Kontrolle. Dann noch eine Nachkontrolle. Dann eine Nach-Nachkontrolle. Ich wurde zur Stammkundschaft.
Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich das alles nicht mehr mitmache.
Schuhe an? Ich weg.
Jacke an? Ich weg.
Schlüssel in der Hand? Ich war schon längst unter dem Bett.
Manchmal sogar hinter der Couch – und das ist eng, glaubt mir.
Und diese Box … Ich hasse diese Box. Selbst wenn sie nur rumsteht, weiß ich: „Aha. Sie planen etwas.“
Nach jedem Tierarztbesuch musste ich mich erst einmal sortieren. Also verkroch ich mich wieder. Ich wollte einfach meine Ruhe – und meinen Frieden – und niemanden, der mir in den Mund schaut oder mir am Auge herumfummelt.
Aber gut.
Der Beutelöffner meinte, es sei wichtig.
Und jetzt tut nichts mehr weh.
Ich gebe zu: Das ist ein Vorteil.
Aber trotzdem: 2024 streiche ich aus meinem Kalender. Komplett.



















